Freitag, 27. Juni 2008 - Stuttgarter Nachrichten extra

Surfen im Schwarzwald

Es muss nicht immer das Mittelmeer sein: Schnupperkurse für Anfänger auf der Nagoldtalsperre

Platsch! Eben stand er noch auf seinem Surfbrett, jetzt krault er hinterher. Völlig friedlich liegt das Board auf dem See und erst, als Mathias es wieder zu erklimmen versucht, offenbart sich die Tücke des Objekts. "Das ist eine ziemlich wacklige Angelegenheit, und es gibt nur wenige Stellungen, in denem man stabil steht", weiß auch David von seinen ersten Übungen. Brettgewöhnung nennt Surflehrer Hartmut Frey diese Übung - dass es anfangs eher eine Wassergewöhnung ist, sei ganz normal.

Es muss nicht immer das Mittelmeer sein. Mit einer Wasserfläche von rund 37 Hektar und einer Stauseelänge von mehr als zwei Kilometern eignet sich die Nagoldtalsperre im Nordschwarzwald hervorragend als Übungsfeld für Anfänger wie Fortgeschrittene. Und die unfreiwilligen Badeeinlagen tun der Begeisterung der Schnupperkursler, die sich an diesem Samstag in die Geheimnisse des Windsurfens einweihen lassen, keinen Abbruch. Trockene Theorie gab es schon: Knotenknüpfen, Vorfahrtsregeln, Materialkunde und natürlich die Sache mit dem Wind. Den gibt es in drei Varianten - als Fahrtwind, wahren Wind und daraus resultierend den scheinbaren Wind - und wer ihn optimal mit der Segelstellung kombiniert, gleitet schwungvoll-elegant übers Wasser. Zumindest theoretisch.

Zusammenbau von Segel, Mast und Gabelbaum

Diesem Ziel nähern sich die Anfänger behutsam. Nach theoretischer Einführung und ersten Gleichgewichtsübungen auf dem Brett steht das Aufriggen, sprich Zusammenbau von Segel, Mast und Gabelbaum auf dem Programm. Welche Kräfte wirken, wenn eine Windbö auf fünfeinhalb Quadratmeter Segelfläche trifft, zeigt sich schon beim Entrollen des Segels: Liegt es falsch, macht es sich selbstständig und hebt ungefragt ab. Viktor und Anna fangen es lachend wieder ein. "Stimmt, da war was mit dem Ausrollen." Mit Versuch und Irrtum, Logik und ein paar Tipps von Hartmut Frey finden die Einzelteile des Sportgeräts richtig zusammen. Der Mast verschwindet in der Masttasche, der Gabelbaum wird auf Brusthöhe des Surfers befestigt und das Segel getrimmt und festgezurrt.

Frey, passionierter Surfer seit mehr als 25 Jahren, demonstriert noch einmal die wichtigsten Schritte und die häufigsten Fehler, dann geht's ins, nein aufs Wasser. Hier passiert, was Frey vorhergesagt hat: Stimmt die Fußstellung auf dem Brett nicht, kippt der Surfer beim Segel-Hochziehen fast zwangsläufig auf der anderen Seite ins Wasser. Da war was. Doch die vier bleiben dran. Ein ums andere Mal steigen sie wieder aus dem Wasser, stellen sich auf ihr Brett und holen ihr Segel hoch - bis es plötzlich läuft. Das Segel strafft sich, das Board nimmt Fahrt auf, die Haare flattern im Wind und der Surfer strahlt.

Dann wird's Zeit zu wenden, und die nächste Herausforderung steht an. Bei Hartmut Frey sah es kinderleicht aus: Einfach mit kleinen Schritten um den Mast herumwandern und das Segel mitführen, dann dreht sich das Brett, und alles andere geht von selbst: Oder so ähnlich. In der Praxis ist es ein bisschen trickreicher - zumindest lässt die Haltungsnote der Probanden nun sehr zu wünschen übrig. Doch auch das ist nur eine Frage der Übung.

Viel Platz zum Üben auf der Nagoldtalsperre

Und üben kann man an der Nagoldtalsperre wunderbar. Außer einem Schul-Segelboot fordert niemand irgendwelche Vorfahrtsregeln ab, und der Zuschauerverkehr aus flotten Radlern und plaudernden Wanderern interessiert sich mehr für die Schwarzwaldkulisse. Wie im Flug sind die Übungsstunden vorbei, doch die Kursteilnehmer kreuzen inzwischen auch schon fast ohne Badeeinlagen auf dem See.

Bettina Bernhard

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